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Offene Jugendarbeit in Gefahr

Offene Jugendarbeit in Gefahr

Stellungnahme der Träger der Offenen Jugendarbeit Overath (OJO) und des Jugendheim Immekeppel zu den geplanten Haushaltskürzungen im Bereich "Offene Jugendarbeit"


Am 14. 12. 05 wird der Stadtrat in Overath den Haushalt für das Jahr 2006 beschließen und über die Finanzplanung die Weichenstellung für die weitere Entwicklung der Stadt vornehmen.
In den Sparplänen der Stadt sind unter anderem auch Sparmaßnahmen für die OJO Overath vorgesehen, die sich finanziell wie folgt auf den Haushaltsplan der OJO auswirken:

Die Zuweisungen für die OJO Overath sollen in den Jahren
2006 um ? 10.900,-
2007 um ? 21.800,- und ab
2008 um ? 32.700,- gekürzt werden.
Sollte es bei diesen Zahlen bleiben, müsste in der OJO schon ab Januar 2006 eine halbe Personalstelle und die damit verbundenen Angebote abgebaut werden. Konkret betroffen wären der Mobile Treff in Heiligenhaus, der Mobile Treff in Steinenbrück, ein bestehendes- und ein für 2006 geplantes Projekt zum Thema Suchtprävention an den weiterführenden Schulen in Overath.

Es ist allgemein bekannt, dass die Stadt Overath auf Grund der hohen Verschuldung und der allgemein schlechten Konjunkturlage zu einer äußerst rigiden Haushaltsführung gezwungen ist.
Diese angeführten finanzpolitischen Gründe für Kürzungen in der Offenen Jugendarbeit sind jedoch aus unserer Sicht nicht tragbar, da in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gerade die "Ressource Jugend" einer besonderen Zuwendung bedarf, um möglichst vielen jungen Menschen eine Chance geben zu können, ihre Potenziale auszuschöpfen.
Das Interesse gilt doch gerade den künftigen Generationen, - ihnen sollen keine Schuldenberge hinterlassen werden - gleichzeitig werden jedoch die Zukunftsperspektiven eben dieser künftigen Generationen mit den jetzt angedrohten Kürzungen massiv und nachhaltig gefährdet.

Insbesondere für Jugendliche mit Benachteiligungen im individuellen oder sozialen Bereich ist eine Förderung durch Jugendzentren neben Schule und Familie von größter Bedeutung, da hier vielfältige Möglichkeiten liegen, Angebote so zu gestalten, dass gezielt Vorteile bei der Partizipation verschafft werden und so die Benachteiligungen verringert werden.
In und durch die offenen Jugendeinrichtungen wird Jugendlichen ein Raum geschaffen, in dem sie frei von gesellschaftlichen Zwängen, elterlichen Repressionen oder schulischem Leistungsdruck ihr Sozialverhalten trainieren, sich in Konfliktsituationen erproben und ihre Freizeit unter qualifizierter Anleitung verbringen können.
Das Unterrichtsfach "Sozialkompetenz" gibt es an keiner Schule.

Angesichts einer erschreckend hohen Quote von jungen Menschen, die die Schule ohne reale Ausbildungsfähigkeit verlassen und den bekannten Ergebnissen der PISA-Forschung, ist die Forderung nach außerschulischen Lernorten, wie Mobile Jugendarbeit und Offener Jugendarbeit im Allgemeinen, nur zu unterstreichen.
Heranwachsende Schüler sehen sich mit einer unüberschaubaren und zunehmend spezifischeren Berufswahl bei gleichzeitig schlechterer Ausbildungsplatz- und Arbeitsmarktlage konfrontiert. Insbesondere für Kinder und Jugendliche mit Benachteiligungen ist eine sinnvolle Förderung neben der Schule von entscheidender Bedeutung, denn es wird für unqualifizierte und schlecht ausgebildete Menschen zunehmend schwerer, einen Arbeitsplatz zu finden.
Wenn es nicht gelingt, gerade sozial Schwächere mit Kompetenzen für die veränderte Gesellschaft auszustatten, ist mit einer dramatischen Zuspitzung der Ungleichheiten zu rechnen.

Einschnitte in diesen Bereichen führen dazu, dass die Freizeit überwiegend oder gänzlich in unorganisierten, unstrukturierten Räumen und Systemen verbracht wird.
Im schlimmsten Fall kann dies dazu führen, dass die Akzeptanz von Gewalt und die Bereitschaft zur Gewaltausübung bei Kindern und Jugendlichen in erheblichem Maße verstärkt werden, suchtgefährdete Jugendliche keinen Halt finden und Jugendkriminalität zunimmt; Ausgrenzungsprozesse können nicht mehr aufgefangen werden.
Es sind Grundbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen, die allzu häufig missachtet werden. Ihr Recht auf Kindheit wird verletzt, ihre gesunde Entwicklung wird nicht gefördert, sondern erschwert.

Wir fordern die Verantwortlichen auf, jedem Ansinnen, Kürzungen in der Offenen Jugendarbeit vorzunehmen, entschieden entgegenzutreten. Jede weitere Kürzung ist sozial- und wirtschaftspolitisch kontraproduktiv!

Jede geplante Kürzung wirft die Jugendarbeit in Overath zurück - und verbaut somit Kindern und Jugendlichen ein Stück Zukunft!

Auch wenn das Jugendheim St. Lucia in Immekeppel nicht direkt von den Plänen betroffen ist, zeigen sich die Verantwortlichen dieser Einrichtung solidarisch mit den Overather Jugendlichen und unterstützen deren Aktionen gegen die Kürzungen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unsere Überlegungen in Ihre Beratungen einbeziehen und sind selbstverständlich zu einem Gespräch bereit.

Overath, den 30.11. 2005

Verband der Kath. Kirchengemeinden
des Erzbistums Köln im RBK
Wolfgang Langner, Geschäftsführer

Kath. Kirchengemeinde St. Lucia
Overath - Immekeppel
Dechant Gereon Bonnacker

OJO Overath
Klaus Fink, OJO-Leitung

Jugendheim Immekeppel
Kalle Janssen, Leitung



Gesetz birgt Hoffnung für Jugendliche
Kölner Stadtanzeiger, TOBIAS CHRIST, 01.12.05, 10:43h


Overath - Am Ende verließen die Jugendlichen der OJO glücklich den Sitzungssaal. Sah es vor dem jüngsten Jugendhilfeausschuss noch so aus, als ob die Zuschüsse für den Overather Jugendtreff drastisch gekürzt werden müssen, tat sich während der Sitzung ein Hoffnungsschimmer auf. Hans Schlömer (SPD) berichtete über eine Gesetzesänderung, wonach die Förderung öffentlicher Jugendhilfe-Einrichtungen ab dem kommendem Jahr für die Kommunen zur Pflichtaufgabe wird.

Bisher führte Kämmerer Klaus-Peter Schulz die Ausgaben als "freiwillige Leistungen" der Stadt. Über die neue Rechtslage war er selbst nicht informiert, gab er auf Anfrage zu. Trotzdem sei unklar, ob der Zuschuss tatsächlich unverändert bleibt. Denn auch in Zukunft müssten die Ausgaben in dem Bereich an die finanzielle Leistungsfähigkeit der Stadt angepasst werden. Details müssten nun mit dem Kreis als Aufsichtsbehörde geklärt werden. Eine Unterstützung der OJO in bisherigem Umfang "wäre schön".

Wegen der prekären Finanzlage hatte die Verwaltung ursprünglich vorgeschlagen, den Zuschuss für die OJO im kommenden Jahr um rund 15 000 Euro zu kürzen, 2007 um rund 22 000 Euro und 2008 um rund 33 000 Euro. Dagegen legte OJO-Leiter Klaus Fink während der Ausschuss-Sitzung Protest ein. Personalentlassungen und die Streichung verschiedener Angebote seien unausweichlich. Das wollten auch die Ausschuss-Mitglieder verhindern. Einstimmig beschlossen sie, die Ausgaben für die OJO auf dem bisherigen Stand von rund 287 000 Euro jährlich einzufrieren und in den Pflichten-Katalog der Stadt aufzunehmen. Ausschuss-Vorsitzende Gertrud Delzemich (CDU): "Sonst wäre die Jugendarbeit in Gefahr."



Kürzung würde die Balance gefährden
Bergische Landeszeitung, KAI TENZER, 07.12.05, 07:12h


OVERATH. Mit der Jugendarbeit im Overather Stadtgebiet ist Klaus Fink zufrieden. Sicher, mehr könnte man auf jeden Fall machen, wenn das Geld da wäre, sagt der Leiter der OJO. Aber immerhin habe man erreicht, dass es in Overaths Dörfern ?kein wirkliches Krisengebiet mehr gibt?. Vor allem in Heiligenhaus und Vilkerath habe sich die sehr angespannte Situation zwischen Jugendgruppen und Erwachsenen verbessert.

Um diese Balance fürchtet Fink, denn im Overather Haushaltsentwurf sind Kürzungen vorgesehen, die mit knapp fünf Prozent nicht massiv aussehen, die OJO laut Fink aber empfindlich treffen. 207 100 statt bisher 218 000 Euro würde die OJO in 2006 bekommen. ?Dadurch würde eine halbe Stelle wegfallen?, sagt Fink. Der Etat sei bereits mit dem spitzen Bleistift gerechnet, an anderer Stelle könne nicht mehr gespart werden.

Durch diesen Wegfall wären die Mobilen Treffs Heiligenhaus und Steinenbrück stark eingeschränkt. Zwar fahren bei dieser Einrichtung immer ein Mann und eine Frau einmal die Woche zu den Jugendlichen in die jeweiligen Orte, aber wenn die Frau fehlt, bringe das die ganze Balance in der Arbeit durcheinander, erklärt Fink. Die Mädchen würden nicht mehr kommen, die Gruppe gerate in Gefahr, auseinander zu brechen. Dabei sei man gerade in Heiligenhaus so gut vorangekommen. Erledigt hätte sich auch ein geplantes Projekt zur Suchtprävention an der Hauptschule, ein Präventionsprojekt zum Thema Essstörungen für die 7. Klassen des Gymnasiums wäre akut gefährdet.

Die Träger von OJO und KOT Immekeppel, die von den Kürzungen nicht betroffen wäre, sich aber solidarisch zeigt, haben in einem gemeinsamen Schreiben Stellung zu dem Dilemma genommen, mit der Bitte, von den Kürzungen abzusehen. Politik und Verwaltung beraten das Thema heute erneut im Haupt- und Finanzausschuss, haben sich aber bereits hinter die OJO gestellt. Zu welcher Seite sich die Waage neigt, entscheidet aber angesichts des Nothaushalts allein die kommunale Aufsichtsbehörde.


Ernüchternde Erkenntnis
TOBIAS CHRIST, 08.12.05, 20:28h

Die Verwaltung hält an den Kürzungen für die ?Offene Jugendarbeit Overath? fest. Nun wird befürchtet, dass mehrere Angebote bald nicht mehr finanziert werden können.

Overath - Die Enttäuschung ist groß: ?Jetzt sind wir wieder auf dem Stand wie vor dem Jugendhilfeausschuss?, meint Klaus Fink, Leiter der ?Offenen Jugendarbeit Overath? (OJO). Dort hatte es für den von erheblichen Einsparungen bedrohten Jugendtreff noch einen Hoffnungsschimmer gegeben. Hans Schlömer (SPD) hatte auf ein Landesgesetz hingewiesen, wonach die Förderung der Jugendhilfe-Einrichtungen zu den kommunalen Pflichtübungen gehört. Der Ausschuss hatte daraufhin beschlossen, den Zuschuss auf jetzigem Niveau einzufrieren und in den städtischen Pflichtenkatalog zu übernehmen. Die ernüchternde Nachricht verkündete Bürgermeister Andreas Heider im jüngsten Haupt- und Finanzausschuss: ?Die Aufgabe ist zwar grundsätzlich pflichtig, aber nicht dem Umfange nach.? Jugendamtsleiter Herbert Rijntjes bestätigte: ?Wir haben durch das Landesgesetz keine neue Rechtssituation.?

Die Aussichten bleiben also trübe für die OJO. Anders als vom Jugendhilfeausschuss beschlossen, will die Verwaltung an dem reduzierten Förderbetrag festhalten und ihn auch weiterhin als ?freiwillige Leistung? führen. Eine endgültige Entscheidung wird der Rat am 14. Dezember fällen. Lehne er die Kürzungen ab, ?muss er einen Deckungsvorschlag machen?, sagte Heider. Der Kreis hatte der von hohen Schulden geplagten Stadt verordnet, ihre freiwilligen Ausgaben weiter zu kürzen.

Geplant ist, den OJO-Zuschuss im kommenden Jahr um rund 15 000 Euro, 2007 um rund 22 000 Euro und 2008 um rund 33 000 Euro zurück zu fahren. Fink wies noch einmal auf die Folgen hin: ?Es bleibt dem Träger nichts anderes übrig, als 2006 eine halbe Stelle auslaufen zu lassen?, sagte der 46-Jährige. Betroffen sei die befristete Stelle einer Sozialpädagogin. Mehrere Angebote, die nur mit einer weiblichen Fachkraft durchgeführt werden könnten, müssten dann gestrichen werden. Betroffen seien die mobilen Treffs in Steinenbrück und Heiligenhaus sowie ein Präventionsprojekt am Paul-Klee-Gymnasium und ein geplantes an der Hauptschule. Die Kürzungen durch andere Einnahmequellen zu kompensieren, ist laut Fink kaum noch möglich: ?Das haben wir in den letzten Jahren schon optimiert.? Der große Saal werde regelmäßig vermietet oder für eintrittspflichtige Partys genutzt. In Zukunft werde sich zwar ein Förderverein um Spenden und Sponsorenmittel kümmern. Doch Fink ist sich sicher: ?Die Mittel werden nicht reichen, um eine Stelle zu finanzieren.?

Der OJO-Leiter sieht nun die Gefahr, ?dass eine Struktur zerstört wird, die nicht mehr so schnell wiederkommen wird?. Er hofft, dass möglichst viele Jugendliche und Erwachsene an der entscheidenden Ratssitzung teilnehmen werden - ?um zu demonstrieren, dass sie mit den Kürzungen nicht einverstanden sind?.

(KStA)